Konzeption

In einer Zeit der Begrenzungen durch Mauern und Zäune, Verkehr und Straße, der Einengung der Bewegungsbedürfnisse der Kinder durch die Gefahren des Stadtlebens, bietet der Wald einen Freiraum von unschätzbarem Wert mit vielen Erfahrungsmöglichkeiten.

Unsere Ziele

Die Waldpädagogik hat den Anspruch auf ganzheitliches Lernen, d.h. dass die Vermittlung von Wissen immer mit dem unmittelbaren Erleben gekoppelt ist. Will man also die Liebe für alles Lebendige wecken, so ist es auch wichtig, das „Lebendige“ zu spüren und zu erleben.

Die Sinne schärfen

Tasten, riechen, sehen, schmecken, lauschen – In der Natur sind die Sinneserfahrungen sehr direkt. Hitze, Kälte, Staub oder Matsch, raue Rinde, weiches Moos, Krabbeltiere, Vogelgezwitscher, über die Sinne erfühlen, entdecken und erleben die Kinder die Welt. Dadurch werden die Jahreszeiten bewusster erlebt. Kinder bemerken oft die kleinsten Veränderungen und hinterfragen diese, manchmal auch erst Wochen später.

Den Körper bewegen

Gehen auf unebenen Wegen, klettern, kriechen, krabbeln, herunterspringen, die Kinder sind gefordert, sich ständig wechselnden Bodenbeschaffenheiten anzupassen. Sie üben das Hinfallen, das Aufstehen und lernen ihre körperlichen Möglichkeiten und Grenzen kennen und erweitern.

Miteinander sprechen

Wir sind unterwegs und entdecken vielerlei. Die Sprache ist notwendig, um es anderen zu erzählen, zu erklären. Aussprechen, benennen, erzählen, rufen, flüstern – Sprache und Stimme haben viel Raum in der Natur, um zu wachsen und sich zu entfalten.

Raum geben

Raum ohne Wände zum Toben, zum Kämpfen, zum Rennen, um sich zu verstecken. Raum für alle Bedürfnisse. Kinder, die morgens mit Aggressionen kommen, können diese ausagieren ohne anderen zu schaden. Einzelne oder kleinere Gruppen suchen sich die passenden Plätze für ihre Spiele und können den räumlichen Abstand zu anderen selbst bestimmen.

Neugierde wecken

Kinder müssen zuerst sehen, berühren und erleben bevor sie Erklärungen aufnehmen können. Zu frühe Erklärungen stören das Beobachtungserlebnis. Es ist nicht wichtig, viele Baum-, Kräuter-, Pilz- oder Vogelnamen zu kennen. Viel wichtiger ist es, die Kinder zum genauen Beobachten und Fragenstellen anzuregen. Diese neugierige, fragende Grundhaltung übernimmt das Kind mit in die Schule, ins Leben.

Die Finger bewegen:

Samen säen, Pflanzen pflegen, Bucheckern, Beeren, Blätter… sammeln und daraus Bilder, Mandalas und Laternen basteln, auch durch malen, schneiden und kleben mit Papier schulen die Kinder ihre Fingerfertigkeit.

Selbstvertrauen und Mut stärken

Immer wieder begegnen den Kindern Herausforderungen auf ihrem Weg durch Wald und Wiese. Neues auszuprobieren erfordert Mut. Die Kinder erleben Stück für Stück, wie sie ihre Handlungskompetenzen erweitern können und somit Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten erlangen.

Phantasie anregen

In der Natur ist Raum für die Entfaltung von Phantasie und Kreativität vorhanden. Es gibt keine „Spielzeuge“. Die Dinge, die die Kinder auf dem Weg finden, verwandeln sich in Gegenstände oder Wesen. Durch die Phantasie wird das Kind Schöpfer seiner eigenen Welt.

Stille erleben

Vogelgezwitscher, Rauschen der Bäume – Geräusche gibt es auch im Wald. Sie sind ursprünglich und natürlich. Diese Form der Stille wirkt heilsam auf die Seele des Kindes und wir, Kinder wie Erwachsene, schätzen die Möglichkeiten des Rückzugs, des Alleinseins, der Muße sehr in unserer reizüberfluteten Welt.

Hilfe geben und annehmen

„Ich schaff es nicht allein“

Ob beim Klettern oder Balancieren – immer wieder gibt es Situationen, in denen die Hilfe der anderen wichtig wird, um weiterzukommen. Die Kinder üben mitmenschliches Verhalten und gegenseitige Unterstützung in vielfältiger Weise auf ihrem Weg durch den Wald.

Umsetzung der Ziele

Ein Kind zu erziehen bedeutet an erster Stelle, es in der Besonderheit seines kindlichen Wesens bedingungslos anzunehmen und es zu lieben. Erziehungsarbeit ist Herzensarbeit und Geduld (Schweitzer u. Prekop: „Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen“)

Kinder sind ernstzunehmende, eigenständige Persönlichkeiten, mit eigenem Willen und eigenen Ideen. Damit sie wachsen und sich in der Welt zurechtfinden, brauchen sie Unterstützung, ihren eigenen Weg zu finden. Wir versuchen Voraussetzungen zu schaffen, damit sich die Kinder zu selbstständigen und liebesfähigen Persönlichkeiten entwickeln können.

Dazu braucht es:

  • Erzieher/innen als Vorbilder und Vertrauenspersonen
  • Einfühlungsvermögen in die kindliche Erlebniswelt
  • Verständnis und Akzeptanz für die Verschiedenartigkeit der Kinder
  • Verlässliche Beziehungen und Bezugspunkte
  • Klare Richtlinien und nachvollziehbare Regeln
  • Ein Angebot von Möglichkeiten, soziale Kompetenzen zu erlernen, z.B. durch übertragene Arbeiten und Patenschaften für jüngere Kinder
  • Förderung der Fein- und Grobmotorik
  • Gezielte Sprachförderung
  • Spezielle Angebote für Vorschulkinder

Die Erzieherinnen treten den Kindern als Menschen gegenüber, die sich freuen, lachen, sich ärgern, traurig oder wütend sind.

Vertrauen zueinander entwickeln und im Gegenüber den fühlenden Menschen zu erkennen, der stark ist und verletzlich zugleich, sind wichtige Werte für uns.

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